Beschreibung
Heilige Maria vom Frieden
Öl auf Leinwand, auf Platte aufgezogen
Wahrscheinlich Deutschland, 18. Jahrhundert
Maße: ca. 46 × 35 cm
Provenienz: Privatsammlung, Süddeutschland
Dieses Gemälde präsentiert eine außergewöhnliche und seltene Darstellung der Schwarzen Madonna als Sancta Maria de Pace, Maria, Königin des Friedens. Sowohl die Madonna als auch das Christkind sind dunkelhäutig und weisen deutlich afrikanische Züge und eng gelocktes Haar auf. Maria trägt ein langes braunes Untergewand und einen mit Hermelin gefütterten Mantel, der blau und gold verziert ist, weiß mit schwarzen Schweifmarkierungen. In ihrer rechten Hand hält sie sowohl ein Zepter als auch einen Zweig, was ihre Rolle als Regina Pacis, Königin des Friedens, symbolisiert. Auf ihrer Brust hängt ein goldenes ovales Medaillon, das eine päpstliche Figur darstellt. Sie steht auf einer Kugel, die in einem bootsförmigen Becken auf stiller Wasserfläche, möglicherweise einem See oder Meer, schwimmt.
Das Jesuskind, das auf Marias linkem Arm sitzt, trägt ebenfalls ein braunes Gewand und hält in seiner linken Hand einen goldenen Reichsapfel mit Kreuz (globus cruciger) und einen Zweig, vielleicht einen Olivenzweig. Dieses Friedenssymbol wiederholt sich in der gesamten Komposition: Ähnliche Ranken erscheinen auf beiden Seiten und entspringen auch dem Becken, auf dem Maria auf dem Globus steht. Beide Figuren tragen mehrere Perlenketten, die Reinheit und geistliche Autorität symbolisieren, und sind gekrönt. Über Marias Kopf hält ein Banner mit der Inschrift “S. MARIA DE PACE” zwei Putten.
Die Komposition folgt der barocken Ikonographie der Regina Pacis-Verehrung, in der Maria als Fürsprecherin für den Frieden dargestellt wird: Frieden mit Gott, mit sich selbst (dem Gewissen) und mit dem Nächsten – eine Trias, die auch in theologischen Schriften und Predigten über den Frieden aus dem 17. und 18. Jahrhundert vorkommt. Am Beckenrand steht in goldenen Buchstaben die Inschrift “PATRONIN DES FRIDEN”. Am Zepter in Marias rechter Hand ist ein Banner befestigt, auf dem “FRIDEN MIT GOT” steht. Auf beiden Seiten des Beckens stehen zwei Stangen mit Bannern, auf denen “FRIDEN MIT DEM GEWISSEN” (links) und “FRIDEN MIT DEN NECSTEN” (rechts) steht. Unter dem rechten Banner verweist ein fünfzackiger Stern auf Maria als Stella Maris (Stern des Meeres).
Das Bild steht in engem Zusammenhang mit einer Serie von Kupferstichen aus dem 17. und 18. Jahrhundert aus dem Karmeliterkloster Maria vom Frieden in Köln, wo um eine von Maria de’ Medici gestiftete Marienstatue die Marienverehrung Maria de Pace entstand. Diese später verlorene Statue wurde als wundertätiges Gnadenbild verehrt und besonders während des Dreißigjährigen Krieges als Friedensbringerin angerufen. Mehrere Kupferstiche aus diesem Umfeld zeigen Maria mit dem Jesuskind auf einer Weltkugel, Olivenzweige haltend und begleitet von Inschriften, die ihren Titel als Friedenskönigin hervorheben.
Im Gegensatz zu diesen Drucken, die Maria typischerweise mit europäischen Zügen darstellen, zeigt dieses Gemälde, wie auch ein anderes bekanntes Beispiel im ehemaligen Augustiner-Chorherrenstift Pfaffen-Schwabenheim, eine Schwarze Madonna. Es gibt keine Beweise dafür, dass die ursprüngliche Kölner Statue dunkelhäutig war, was diese gemalten Interpretationen umso bemerkenswerter macht. Die Kombination aus devotionaler Ikonographie und afrikanischem Teint macht dieses Werk zu einer äußerst seltenen Darstellung in der frühmode rnen Marienverehrung.
Von besonderer Bedeutung im Kontext der Maria-de-Pace-Verehrung ist die Anwesenheit von Edith Stein (Sr. Teresia Benedicta a Cruce) im Karmel Maria vom Frieden in Köln. Sie trat 1933 in diese Karmelitinengemeinschaft ein und blieb dort bis zu ihrer Abreise am 31. Dezember 1938, als sie aus Sicherheitsgründen in den Karmel in Echt (Niederlande) ging. Laut Quellen im Edith-Stein-Archiv stattete sie an ihrem letzten Tag in Deutschland der Kirche Maria vom Frieden, die inzwischen eine Pfarrkirche war, einen kurzen Besuch ab, um zur “Friedenskönigin” zu beten.”























